München verzichtet aus rein politischen Gründen auf Linux

Kurz : Die Stadt München, einst Vorreiter der Open-Source-Einführung, macht Linux endlich zu, um Windows willkommen zu heißen.

Die deutsche Stadt München gehörte zu den Ersten, die sich für Linux als Hauptbetriebssystem entschieden und Open-Source-Office-Produkte einführten. Nach mehr als einem Jahrzehnt kehrt die Stadt München in den Schoß von Microsoft zurück, sehr zum Entsetzen der Linux-Benutzer weltweit.

Münchens historische Umstellung auf Linux

Um Ihnen einen kleinen Einblick in die Geschichte zu geben, hat die Stadt München bereits 2004 für eine Open Source-Politik gestimmt.

Debian war die erste Wahl, aber später wurde es auf eine benutzerdefinierte Linux-Distribution LiMux umgestellt, die auf Ubuntu basiert. WollMux, OpenOffice mit benutzerdefinierten Vorlagen, wird für die Office-Suite verwendet. WollMux wechselte schließlich zu LibreOffice aus dem offensichtlichen Grund, dass OpenOffice so gut wie tot ist.

Der Übergang zu LiMux dauerte mehrere Jahre. Im Dezember 2013 wurde die Umstellung auf Open Source abgeschlossen.

Open-Source-Enthusiasten aus der ganzen Welt lobten diese Bemühungen und nannten sie eine vorbildliche Erfolgsgeschichte, die von anderen Organisationen verfolgt werden sollte.

Während andere europäische Städte ebenfalls Open Source-Alternativen einführten, begannen die Probleme in München früher als erwartet zu brauen.

Anscheinend äußerten (einige) Angestellte der Stadtverwaltungen ihr Missfallen über die Arbeit mit Linux und LibreOffice. Während der Übergang erfolgreich war, führte die unzureichende Schulung der Mitarbeiter zu diesem Unbehagen.

Während der Umstieg auf Linux der Stadt München möglicherweise Millionen von Euro erspart haben könnte, behauptete Bürgermeister Josef Schmid, der Wandel sei eher auf „Ideologie“ als auf Steuerersparnisse zurückzuführen. Er könnte damit richtig liegen. Weil die ursprüngliche Entscheidung auf „dem Wunsch nach strategischer Unabhängigkeit von Softwareanbietern“ beruhte

Microsofts ständiger Kampf um die Rückeroberung Münchens

Im Jahr 2003, als in München Gespräche über die Entscheidung für Linux geführt wurden, bot Microsoft-Chef Steve Ballmer (berüchtigt für den Ruf nach Linux-Krebs) 90% Rabatt auf alle Windows-Lizenzen an. Die Dauer der vergünstigten Lizenz ist jedoch nicht klar. War es für ein Jahr, 2 Jahre, 5 Jahre?

Als München 2013 mitteilte, dass mit der Umstellung auf Linux mehr als 10 Millionen Euro eingespart würden, gab Microsoft an, dass München mehr als 40 Millionen Euro eingespart hätte, wenn es bei Windows XP und MS Office geblieben wäre.

Grundlage dieser Behauptung war eine Studie von HP, die von niemand anderem als Microsoft selbst finanziert wurde. Diese Microsoft-Propaganda wurde schnell von einer Reihe von Linux-Veröffentlichungen und unabhängigen Bloggern angekündigt. Interessanterweise hat Microsoft diese sogenannte Studie nie veröffentlicht.

Eines der Gerüchte, das ich nicht bestätigen kann, ist, dass Microsoft zugestimmt hat, seinen deutschen Hauptsitz nach München zu verlegen, nachdem München wieder zu Microsoft zurückgekehrt ist. Microsoft hat im vergangenen Jahr seinen Hauptsitz nach München verlegt.

Zurück zu Punkt eins

Schneller Vorlauf bis 2017. Die Euphorie über die Einführung von Open Source in München ist verflogen. Die Gerüchte haben sich als wahr erwiesen. München geht zurück zu Microsoft.

Der Generalrat hat einen Vorschlag gebilligt, nach dem die Stadt Ausschau halten soll, wie lange es dauern wird, einen Windows 10-Client zu erstellen, und wie hoch die Kosten wären.

Nach Angaben der Document Foundation (Mutterorganisation von LibreOffice) wird dieser Schritt zurück zu Microsoft etwa 90 Millionen Steuergelder kosten.

Es ist keine technische Frage, es ist eine politische Frage

Karl-Heinz Schneider, der Mann hinter dem LiMux-Projekt, hat es eher eine politische als eine technische Entscheidung genannt. Schneider protestierte:

"Wir sehen keine zwingenden technischen Gründe für eine Änderung von Windows und Microsoft Office. Wir lösen Kompatibilitäts- und Interoperabilitätsprobleme, indem wir MS Office, meist virtualisiert, an Arbeitsplätzen bereitstellen, die mit externen Büros an Office-Dokumenten arbeiten müssen."

Schneider behauptete, die Entscheidung sei politisch gewesen, „nicht auf der Grundlage von Fakten getroffen“, und sogar Accenture (das Unternehmen, das kürzlich die Verwendung von LiMux analysiert hatte) empfahl, LibreOffice weiterhin zu verwenden.

Auswirkungen auf die Übernahme von Open Source?

Für Linux- und Open-Source-Liebhaber ist es herzzerreißend, denn wir haben München lange als Vorbild angepriesen. Tatsächlich haben sich viele andere Regierungsorganisationen von der Einführung von Open Source in München inspirieren lassen.

Wenn der Erfolg Münchens zu einer stärkeren Verbreitung von Open Source führt, wird sich das Scheitern auch negativ auswirken? Was denkst du darüber?

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